Entwicklung nachhaltiger Kunststoff-Dichtungsbahnen

Nachhaltigkeit

Sika hat im Januar 2020 die Dichtungsbahn SikaRoof® AT auf den Markt gebracht. Diese neuartige Kunststoffdichtungsbahn bietet gegen­über anderen Abdichtungssystemen viele Vorteile und vereint höchste Flexibilität auch bei Tiefsttemperaturen, schnelleren Einbau, Wider­stands­fähigkeit und erhöhte Durchschlags­festigkeit. Wir durften die Entwicklung in Sarnen besuchen und in einem Interview mit dem Entwickler Robert Roskamp spannende Einblicke gewinnen.

1. Sie sind in der Produkteentwicklung der Sika tätig. Was macht Ihnen am meisten Spass an Ihrer Arbeit?

Das Team! So macht das Arbeiten Spass. Produktentwicklungen sind Ausdruck von Innovation und immer wieder aufs Neue spannend. Rückschläge gibt es immer, das Team trägt einen und man lernt gemeinsam daraus.

2. Warum wurde das neue Material entwickelt? Was waren die Anforderungen an die neue Bahn?

Der Innovationsprozess startete noch ohne den Focus auf den Dachbau. Das Ziel war es, eine Technologie zu entwickeln, die die besten Eigenschaften der bekannten Materialien auf dem Markt (TPO, PVC und EPDM) vereint: Langlebigkeit, Verarbeiter­freundlichkeit (z.B. schweissbar ohne Nahtvorbereitung), Flexibilität und Widerstands­fähigkeit. Für die optimale Dachabdichtung wurde das entwickelte Produkt dann noch mit den Leistungseigenschaften für die spezifischen Anforderungen wie Brandschutz, UV-Beständigkeit usw. ausgestattet.

3. Was genau war Ihre Rolle bei der Entwicklung?
Ich durfte die ganze Entwicklung von der Innovation bis zum Endprodukt begleiten. Bei jedem Projekt sind ein Traum, eine Vision die Triebfeder. Gestartet habe ich mit Materialstudien, ging aber sobald als möglich ins Labor und habe erste Kunststoffmischungen erstellt. So konnte ich überprüfen, ob sich die theoretischen Zusammensetzungen auch in die Praxis umsetzen lassen, und, ganz wichtig, man konnte das Material auch «spüren». Diese erste Entwicklungsphase dauerte rund 4 Monate.

4. Was sind typische Tests / Phasen, die ein Produkt in der Entwicklung durchlaufen muss?
Die Positionierung und Definierung der Anforderungen starteten 2014, die ersten Versuche im Labor dann 2015. Die weiteren Entwicklungsschritte waren: Versuche auf dem Laborextruder, Anpassungen in den definitiven Eigenschaften, Upscaling auf die Produktions­anlage, Anpassung am Produkt bezüglich der Produktionsfähigkeit, externe Feldtestphase mit Entscheid, wie das definitive Produkt aussieht (z.B. Filz auf Rückseite, nicht Kunststoff), Lancierung einer Marketingkampagne, Markteinführung im Januar 2020. Die Voraussetzung für die neue Abdichtungsbahn war, dass diese auf den bestehenden Maschinen entwickelt und anschl­iessend auch produziert werden kann. Es brauchte mehrere Runden, bis die Produktion auf der Grossanlage stand. So wurde etwa die Polymermischung für den Produktionsprozess feinjustiert, bis die Zusammensetzung für die Grossproduktion geeignet war.

5. Welche Rolle spielen / spielten Überlegungen und Anforderungen zur Nachhaltigkeit bei der Entwicklung?
Beim Entwicklungsstart im Jahre 2014 war die öffentliche Diskussion betreffend Nachhaltigkeit noch ein bisschen anders als heute. Natürlich haben wir uns an das Nachhaltigkeitsversprechen der Sarnafil®-T-Linie gehalten (keine Öle oder Weichmacher), im Verlauf des Projektes wurde darüber hinaus dann noch ein besonderes Augenmerk auf das Thema gelegt. Das Endprodukt erfüllt nun die ECO-1-Kriterien und erhielt als einzige Kunststoffdichtungsbahn im Markt die «Cradle to Cradle Certified™»-Zertifizierung.

6. Wie weit ist das Recycling von Kunststoff- Dichtungsbahnen?
SikaRoof® AT kann dem Recycling zugeführt werden. Das Material wird gehäckselt, granuliert und wieder in die bestehende Mischung ein­gebracht, analog zu den jetzigen Produkten.

7. Woran arbeiten Sie gerade? Wie sieht die Abdichtung der Zukunft aus?
Im Moment wird vor allem an folgenden beiden Themen gearbeitet:
• Optimierung der Hagelsicherheit
• Der nächste Schritt im Brandschutz

Für den Beitrag

Robert Roskamp
Robert Roskamp, Sika Technology AG
Rahel Nägeli Ganz
Rahel Nägeli Ganz, Chefin Technik TECTON Gruppe

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