| Technik und Systeme |
Schwellenlose Terrassentüren werden nicht nur in öffentlichen und gewerblichen Bauwerken erfordert. Auch der private Nutzer schätzt Komfort sowie Ästhetik – und die frühe Planung für das Wohnen im Alter nimmt an Bedeutung zu. Anschlüsse an Tür- und Fensterelemente müssen sowohl den Anforderungen an die bauliche Barrierefreiheit als auch den Anforderungen an die Bauwerksabdichtung gerecht werden.
Die Ausführung normkonformer schwellenloser Anschlüsse an Terrassentüren stellt Abdichter oft vor grosse Herausforderungen. Abdichtungstechnische Speziallösungen können nicht vom Abdichter alleine getragen werden, sondern müssen zwischen Planern, Herstellern, Fensterbauern und Ausführenden sowie Bauherren abgestimmt sein.
EINDEUTIGE GRUNDLAGEN
Die Norm SIA 271:2007 gibt klare Anforderungen bezüglich der Anschlüsse an Terrassentüren und Fenster bei niedrigen Überlaufhöhen vor. Die Ausnahmeregelungen in Ziffer 5.2 beschreiben unter anderem, dass die Dampfbremse im Schwellenbereich als Bauzeitabdichtung ausgeführt werden und die Abdichtung nicht unterläufig mit einer Anschlussfläche von mindestens 50 mm angeschlossen werden muss. Weiter ist direkt vor der Schwelle eine Rinne (mind. 2000 mm2) vorzusehen. Diese wird direkt dem sanitären Entwässerungssystem zugeführt oder ausserhalb des Gebäudes entwässert. Im Schwellenbereich muss eine druckfeste (≥ 350 kPa) Wärmedämmplatte rutschfest mit der Abdichtung und der Dampfbremse verbunden werden. Das Merkblatt der Gebäudehülle Schweiz «Abdichtungsanschlüsse an Tür- und Fensterelemente» erläutert das Thema noch genauer und präzisiert durch zahlreiche Detailskizzen. Die Richtlinie «Dachentwässerung» von suissetec beschreibt zusätzlich eine Sonderlösung für schwellenlose Anschlüsse ohne Freibord über der Nutzschicht. Dabei muss der tiefste Punkt der Türschwelle mindestens 60 mm über der benötigten Druckhöhe am Ablauf liegen.
KRITISCHE UMSETZUNGEN
Die Grundlagen sind klar. Trotzdem trifft der Abdichter auf der Baustelle immer wieder ungelöste Details an.
1. Anschlussfläche zu klein bzw. perforiert
Türschwellenanschlüsse unter 60 mm müssen unterlaufsicher mit einer minimalen Anschlussfläche von 50 mm auf einen starren und formstabilen Untergrund angeschlossen werden. Die Anschlüsse werden mit Flüssigkunststoffen oder Bandabdichtungen gelöst. Anschlussflächen bei Fensterprofilen sind oft nicht auf die Abdichtung bemessen, das heisst, es werden am Bau nicht die richtigen Fensterprofile eingesetzt. Holzrahmenkonstruktionen mit Übergängen auf Metallprofile (oft aus Aluminium) sind nicht formstabil resp. durch den Materialwechsel aufgrund sehr unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten als zwei Anschlüsse zu beurteilen. Sind Anschlussflächen durch die Montage perforiert, ist ein normgerechter Abdichtungsanschluss nicht möglich. Das Risiko des Schadens durch Eindringen von Wasser im Bereich z. B. einer Schraube ist gross.
2. Aufbauhöhe – Bautoleranz nicht eingerechnet
Bei schwellenlosen Anschlüssen sind Anschlussflächen und Übergänge immer sehr knapp bemessen. Hier ist es umso wichtiger, in der Planung die Bautoleranzen mit ein- zurechnen. Als Beispiel: Der Baumeister ist innerhalb seiner Toleranzen, jedoch ist die Stahlbetondecke höher als veranschlagt und der Fensterbauer bewegt sich innerhalb der SIA zulässigen Toleranzen, jedoch etwas tiefer als vorgesehen. Entsprechend kann dies für den Flachdachabdichter zu Einbaudifferenzen von einigen 10 mm führen. Nachträgliche Fräsarbeiten oder Änderung der Dämmung auf z. B. dünnere Vakuum- dämmplatten sind teuer. Einsparungen in den Anschlussflächen bergen Schadenspotenzial.
3. Fugen innerhalb der Fensterprofile undicht
Liegen Elementstösse von Fensterprofilen im Anschlussbereich, müssen diese mechanisch fest verbunden und abgedichtet sein. Oder die Abdichtung muss gemäss der Norm SIA 271 auf die Höhe von 120 mm über die Nutzschicht geführt werden. Undichte Elementstösse führen zum Eindringen des Wassers in die Rahmenkonstruktion. Bei Holzrahmenkonstruktionen kann dies Fäulnis im Holz zur Folge haben.
4. Abschluss unterhalb der Nutzschicht
Die Abdichtungsanschlüsse müssen grundsätzlich 25 mm über die Nutzschicht geführt werden (SIA 271:2007, Ziffer 2.6.1.5). Endet die Abdichtung unterhalb der Überlaufhöhe, muss die Dichtungsfunktion durch das Fensterprofi l übernommen werden (SIA 271:2007, Ziffer 2.2.8.1). Der Flachdachabdichter kann die Garantie der Dichtigkeit nur bis zur ausgeführten Abdichtung übernehmen. Die Dichtigkeit des Fensterprofi ls muss der Fensterbauer garantieren. Bei Holzrahmenkonstruktionen muss die Abdichtung zwingend 25 mm über die Nutzschicht geführt werden.
DETAILLIERTE PLANUNG LOHNT SICH
Es ist wichtig, dass der Anschluss an Terrassentüren und Fensterelemente mit Einbezug der Dachentwässerung detailliert geplant wird. Der Fensterbauer wie auch der Flachdachabdichter müssen frühzeitig Kenntnis über den geplanten Anschluss haben. Wird in der Planungsphase das Fenstersystem angepasst, sind auch die Projektierungsschritte neu zu prüfen. Die eingesetzten Fensterelemente müssen für Schwellen mit geringen Überlaufhöhen geeignet sein. Natürlich ist der fachgerechte und normkonforme Einbau der Fenster und der Abdichtung wesentlich. Mit abgestimmten Lösungen ist beides möglich: schwellenlos und dicht!
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